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Fahrzeugvernetzung: GVA mahnt richtige Weichenstellung an

(Aus Newsletter No. 77 | Dezember 2016)


Der Gesamtverband Autoteile-Handel (GVA) e.V. weist auf eklatante Gefahren für den Wettbewerb im Kfz-Ersatzteil- und Servicemarkt in Folge der zunehmenden Vernetzung der Fahrzeuge hin, sollten von den Fahrzeugherstellern einseitig Fakten geschaffen werden, die politisch die falschen Weichen stellen.

Der GVA reagiert damit auf eine gemeinsame Pressemitteilung der Verbände ACEA (Europäische Vertretung der Fahrzeughersteller) und CLEPA (Europäische Vertretung der Fahrzeugzulieferer) vom 1. Dezember 2016, in der Pläne bezüglich des drahtlosen Datenzugangs und -verkehrs mit Kraftfahrzeugen formuliert werden. Aus Sicht des GVA würden auf dieser Grundlage unabhängige Marktteilnehmer massiv an einer Teilnahme am Wettbewerb auf dem Kfz-Servicemarkt gehindert und infolge dessen die Wahlfreiheit des Autofahrers gefährdet, wo und mit welchen Teilen er sein Fahrzeug warten und reparieren lässt.

Ohne Zugang zu den Daten im Fahrzeug keine Wahlfreiheit und kein Wettbewerb

Moderne Fahrzeuge verfügen bereits heute über die technischen Voraussetzungen, um onboard gesammelte Daten drahtlos zu übermitteln und diese z.B. für Wartung und Reparatur nutzbar zu machen. Ab April 2018 müssen neu typgeprüfte Fahrzeuge in Europa mit dem elektronischen Notruf eCall ausgerüstet sein; der Anteil vernetzungsfähiger Fahrzeuge wird dann noch einmal sprunghaft ansteigen. Wer also zukünftig im Kfz-Ersatzteil- und Servicemarkt Dienstleistungen und Produkte anbieten möchte, benötigt einen geeigneten Zugang zu diesen Fahrzeugen. Denn es gilt: Nur wer unmittelbar aus dem Fahrzeug Informationen z.B. über einen Schadensfall oder eine anstehende Wartung erhält, kann dem Autofahrer zeitnah ein entsprechendes Angebot unterbreiten. Erste bereits im Markt befindliche Vernetzungslösungen sind einzig auf die jeweiligen Fahrzeughersteller ausgerichtet.

In dem von den Fahrzeugherstellern propagierten Ansatz des so genannten “Extended Vehicle” würde deren Datenmonopol zementiert: Die Daten aus dem Fahrzeug sollen an den Server des jeweiligen Fahrzeugherstellers übermittelt werden, von dem sie dann von dem Fahrzeughersteller auf Basis eines Vertrags über einen so genannten neutralen Server unabhängigen Marktteilnehmern zur Verfügung gestellt werden könnten. Dazu zählen u.a. freie Werkstätten, der freie Kfz-Teilehandel, Versicherer oder Automobilclubs. Aus Sicht von GVA-Präsident Hartmut Röhl keine akzeptable Lösung: “Die Fahrzeughersteller erhalten damit die vollständige Kontrolle über die Daten, sie allein entscheiden, welche Daten die Konkurrenz vom freien Markt in welcher Form und wann zur Verfügung gestellt bekommt. Die GVA-Mitglieder wollen aber unabhängige Unternehmen sein und bleiben. Sie wollen ihre Geschäftsmodelle nicht abhängig machen von Informationen oder Daten, die ihnen die Automobilhersteller möglicherweise unter bestimmten Bedingungen zugänglich machen.”

Um den Wettbewerb sicherzustellen, bedarf es aus Sicht des GVA unbedingt eines direkten Zugangs zu den fahrzeuggenerierten Daten. Darüber hinaus ist es wichtig, dass die Fahrzeughersteller keine Möglichkeit haben, die Unternehmen des IAM bzw. deren Produkte und Serviceleistungen zu überwachen bzw. zu profilen. Für Chancengleichheit ist darüber hinaus entscheidend, dass die unabhängigen Marktteilnehmer die gleichen Möglichkeiten wie die Fahrzeughersteller haben, ihre Anwendungen dem Kunden etwa im Display des Armaturenbretts zu präsentieren.

Sicherheitsbedenken nur vorgeschoben, um Wettbewerb auszuschließen

In der Pressemitteilung von ACEA und CLEPA werden Sicherheitsbedenken als Grund dafür angeführt, dass unabhängige Marktteilnehmer keinen direkten Zugang zu den Fahrzeugdaten erhalten sollen. GVA-Präsident Hartmut Röhl hält solche Bedenken für vorgeschoben: “Die Schnittstellen zum Fahrzeug lassen sich technisch sicher gestalten. Allerdings wollen die Fahrzeughersteller wohl weniger Hacker außen vor halten als vielmehr ihre Wettbewerber vom freien Markt.” Auch würden Autofahrer abgelenkt, wenn Dritte “unkontrollierten Zugang zu den Onboard-Systemen” erhalten könnten, heißt es in der Meldung.

GVA-Präsident Hartmut Röhl sieht darin eine Nebelkerze: “Der Autofahrer soll selbst wählen können, welche Anbieter und in welchem Umfang mit klar definierten Anwendungen Zugang zum Fahrzeug erhalten. Von einem unkontrollierten Zugang kann daher keine Rede sein. Auch sind Autofahrer mündig genug, selbst zu entscheiden, ob eine Anwendung sie in ihrer Konzentration auf das Verkehrsgeschehen ablenkt. Das Konzept des “Extended Vehicle” ist unter dem Strich vor allem wettbewerbsfeindlich, aber darüber hinaus auch eine Innovations- und Technologiebremse. Beispiele aus anderen Wirtschaftsbereichen lehren uns doch, dass nur offen gestaltete digitale Plattformen Erfolg beim Verbraucher haben.” Inseldenken und Abschottung dagegen könnten letztlich für die Fahrzeughersteller selbst von Nachteil sein, denn sie drohen damit zu den Dinosauriern des Digitalzeitalters zu werden, die – bleiben sie auf dem eingeschlagenen Weg – von den innovativen High-Tech Giganten des Silicon Valley abgelöst werden könnten.

Der GVA setzt sich deshalb für eine frei zugängliche, interoperable, sichere und standardisierte Telematikplattform im Auto ein, so GVA-Präsident Hartmut Röhl: “Nur diese würde den vom EU-Gesetzgeber in der eCall-Verordnung aufgestellten Zielen entsprechen, wonach die Wahlfreiheit der Kunden und faire Wettbewerbsbedingungen gewährleistet, Innovationen gefördert und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen IT-Branche gestärkt werden sollen.”


Quelle: Gesamtverband Autoteile-Handel e.V., Ratingen www.gva.de